Samstag, 27. September 2025

Wieder in der Dänemarkstrasse Richtung Nationalpark

Wir schaukeln wieder, nicht so schlimm wie am Anfang unserer Seereise, aber die Fram kommt uns schon sehr empfindlich vor. Da merkt man auch schon Wellen von 1,5 m. Das Abendessen schmeckt uns noch, in der Lounge setzen wir uns in die hintersten Ecke, die liegt noch etwas mittig, aber die Schaukelei wird immer ungemütlicher. Das Schiffchen hat so einen komischen Rhythmus, schaukelt stark.... Dann fährt es eine Weile ruhig; in der Zeit kann man es bis zur Toilette schaffen... Dann geht es wieder los. Irgendwann wird es zuviel, also Tablette einwerfen und ab ins Bett. Komischerweise hört die Schaukelei kurz danach auf und wir fahren track durch die Wellen, die, beim Blick aus dem Fenster, nicht anders aussehen als vorher. Ich hab echt den Verdacht, dass der Captain jetzt erst die Stabilatoren eingesetzt hat.

Während ich das schreibe, sitzen wir - vielleicht schon zum letzten Mal - in der Skylounge. Die Küste Islands ist schon seit heute morgen zu sehen, aber wir haben die deutliche Ansage bekommen, dass die See ab 15 Uhr unruhiger werden wird und wir uns darauf vorbereiten sollen. Das haben wie, die Koffer sind gepackt. Ich finde gut, dass wir hier klare Aussagen rechtzeitig bekommen. Ich hoffe aber, dass wir das Abendessen noch genießen können, wäre sonst so schade drum. 

Jetzt will ich noch ein wenig über das Schiff berichten: Wir sind 157 Passagiere und 95 Crew. 
Wie schon erwähnt, sind die Ansagen und die ganze Organisation der Ausflüge toll. Dafür ist das 16 köpfige Expeditionsteam, das aus Wissenschaftlern, Professoren, in Extremsport ausgebildeten Leuten und zwei Simultanübersetzerinnen besteht. 


Zuständig auch für die vielen Vorträge an Bord... Wenn ich an allen teilnehmen würde, könnte ich hinterher wirklich behaupten, eine Bildungsreise absolviert zu haben. Es gibt aber auch Schnitzelfotojagden, Postkarten Gestalten, Tonfiguren etc. Was es eben nicht gibt sind Shows und Musik, außer dem einen Abend vorgestern. 



Der Service ist wunderbar, wie ja fast auf allen Schiffen. Unsere beiden Kellner Dexter und Waldo reißen sich fast die Beine aus, um unseren Tisch für uns freizuhalten. An Bord ist freie Tischwahl, für Abends haben wir ja reserviert, aber das Frühstück ist der Knackpunkt. Einmal hatten sich andere an unseren Tisch gesetzt und die Jungs haben daraufhin den Nebentisch für uns freigehalten, indem sie ein paar Getränke hingestellt haben und die Servietten auf die Stuhllehne drapiert. Das alles auch noch nachdem sie ihr Trinkgeld schon bekommen hatten. 



Das Trinkgeld ist bei HX im Preis inbegriffen, ebenso die Getränke und das W-lan, das zu meiner Überraschung tatsächlich die ganze Reise funktioniert hat. 

Negativ sind einfach diese winzigen Kabinen
Da muss man sich wirklich gut einteilen beim Anziehen, vor allem wenn es um diese vielen Klamotten für die Ausflüge geht.  Die öffentlichen Bereiche finde ich sehr anheimelnd oder auch anders ausgedrückt unaufdringlich gemütlich. 

           Das ist mein "Not Platz", zwei Etagen unter uns auf der 4 und mittig.... Da läßt es sich aushalten. 



  
             Die Bistroecke, hier gibt es immer Kaffee Tee und Cookies. 
   Die Tisch Abtrennungen, wahrscheinlich während Corona entstanden..... Wunderschön. 

Die Lampen finde ich auch sehr besonders. 

 
Die Waschecke vorm Restaurant







Hier geht es zum Empfang und rechts der große "Bastel" Tisch. 




      Das ist auch so eine "Not" Ecke, noch einigermaßen mittig. Der Schaukeunterschied vom Restaurant auf 4 zur Skylounge auf 7 ist schon ordentlich. 

In der Skylounge sind den ganzen Tag Barkeeper, Service gibt es aber nur am Abend, sonst holt man sich die Getränke. Und die putzige Regelung "kein Alkohol vor 13 Uhr" hab ich ja schon mal erwähnt. Wein und Sekt hat keinen. 🥂😂


Die Raucherecke.... 


Das Essen finden wir dem hohen Preis angemessen und sehr gut. Morgens und Mittags gibt es Büffet, 



Abends ein serviertes Menü. Auf dem Buffet finden sich täglich wechselnd 3 Hauptgänge Fleisch, Fisch und Vegetarisch. Dazu natürlich Vorspeisen, Suppe, Salate, Dessert, Obst und Käse. Ich finde die "kleine" Auswahl gut, da kann ich alles probieren. 





Y


Also aus dem Abendessen wurde bei mir nicht mehr viel. Den Nachmittag und den Sekt vom Captain habe ich gut überstanden, aber das Abendessen an unserem Tisch ganz hinten ging nicht mehr. 


Ich saß zwar so, dass ich nicht nach draußen gucken musste, aber wenn man 5 lustige Reisegefährten am Tisch hat, die jede Welle ankündigen mit "Boah, die ist groß" oder ähnlich.😱... Ich bin irgendwann geflüchtet. Die müssen ein anderes Doping gehabt haben😂, das muss ich mir auch besorgen für die nächste Reise. 



Schade war nur, dass bei diesen Wellen an ein gemütliches letztes Beisammensein nicht mehr zu denken war. 
Irgendwann wurde das Meer ruhig und wir sind gut in Reykjavík gelandet. Ein letztes ausgiebiges Frühstück genießen wir allein an unserem Tisch, die anderen sind schon mit dem ersten Bus weg. Bemerkenswerr:es gibt bis 8:30 Frühstück, um 8:15 ist alles aufgefüllt wie am ersten Tag. Den Kellnern sieht man am Strahlen an, ob sie nach Hause gehen, oder mit über den großen Teich fahren. Die Fram fährt morgen ohne Passagiere in die Antarktis. Gleich übernehmen wir unseren Mietwagen und wollen uns noch ein bisschen den Golden Circle anschauen.
Abschließend bleibt zu sagen. Der Preis (die Schaukelei) , Grönland zu sehen, war hoch aber es hat sich absolut gelohnt. Unser großer Wunsch hat sich erfüllt und die Landschaft war absolut überwältigend. 
Hurtigruten bzw. HX jederzeit gerne wieder, ist absolut zu empfehlen. Allerdings lieber eine Expeditions Tour, auf der man auch mal einfach in normalen Schuhen und ohne Rettungsweste an Land gehen kann. Darauf haben wir und viele andere sich nach 14 Tagen jetzt doch sehr gefreut! 


Nach drei Wochen bekommen wir den Link zum Logbuch unserer Reise vom Expeditionteam mit Fotos, Karte und dem nachfolgenden Film unserer Reise.




Donnerstag, 25. September 2025

Ittoqqortoormiit/ Grönland

Heute soll unsere letzte Anlandung erfolgen, allerdings beginnt der Tag im Nebel. 

Das Nest Ittoqqortoormiit hat gerade einmal knapp 450 Einwohner und gehört zu den 8 abgelegensten Städten in einer der abgelegensten Regionen der Welt. 


 Das nächste Dorf befindet sich nicht einmal auf Grönland, sondern auf dem fast 500 km entfernten Island. Wenn man den grönländischen „Nachbarort“ besuchen möchte, muss man zu dem fast 800 km südlich gelegenen Sermiligaaq reisen, der einzigen anderen Ansiedlung an der gesamten Ostküste. Gegründet wurde Ittoqqortoormiit 1925, hat einen Supermarkt, ein Gasthaus und ein Tourismusbüro. 




  Ittoqqortoormiit markiert den Eingang zum Scoresbysund, dem größten Fjordsystem der Welt. Hier gibt es 9 Monate im Jahr Schnee. Umgeben von dieser wunderschönen Landschaft führen die rund 400 Einwohner der Siedlung ein abgeschiedenes und entbehrungsreiches Leben.


 Fließendes Wasser gibt es nur im Sommer, wenn die Leitungen noch nicht zugefroren sind, und die benötigten Waren werden mit einem Versorgungsschiff hierhergebracht, das den weiten Weg zu diesem entlegenen Ort nur einmal im Jahr auf sich nimmt. 

 Eine kleine Wetterstation gibt es in Scoresbysound auch. Täglich wird hier ein Wetterballon in die Luft gelassen. 
Es gibt auch einen Kunstgewerbeverkauf, hier gibt es lauter Dinge, die wir nicht einführen dürfen. 

           Eisbärkrallen

          Eisbärzähne

Natürlich gibt es auch viele Schlittenhunde, aber wir sind ja instruiert worden, dass wir nicht mit den Welpen kuscheln dürfen.... 

So niedlich sie auch sind, das sind Arbeitstiere und so manches deutsche Tierschützerherz bricht fast beim Anblick der Hunde, die zur Zeit ja keine Arbeit haben. 



Ad absurdum geführt wird hier die Idee unseres Expeditionsteams vor zwei Tagen, dass die Hiker Tüten Mitnehmen um evtl. Plastikmüll am Strand einzusammeln. 

Zwei frisch erlegte Robben werden im Hafen im Meerwasser gekühlt, die hab ich mir nicht angeguckt. Aber die Steine fand ich sehr schön. 


Wir waren auch vorgewarnt worden, auf den Verkehr zu achten und am Rand der Wege und Straßen zu gehen. Und richtig, die gesamte Bevölkerung scheint auf den Beinen bzw. auf den Rädern zu sein und durch das Örtchen zu Rasen. 🤔Vielleicht machen die das extra für uns Touris? 🤭
         Am Jägerhaus gibt es Life Musik, extra für uns. 

               Hier könnte man wohnen, wenn man es irgendwie schafft hierhin zu kommen. Die Reise von Ittoqqortoormiit nach Nuuk z. B. dauert 3 Tage mit Helicopter und Flugzeugen über Reykjavík. 




Die Entstehungsgeschichte von Ittoqqortoormiit/die Stadt der großen Häuser finde ich sehr interessant, daher füge ich sie hier komplett aus Wikipedia ein. Als Gründer der Stadt gilt Ejnar Mikkelsen, ein dänischer Polarforscher und Autor, geboren 1880.

"1924 gründete Mikkelsen am Scoresbysund in Ostgrönland den gleichnamigen Ort, der heute offiziell Ittoqqortoormiit heißt. Bereits 1911 hatte Harald Olrik (1883–1958), ein Beamter der dänischen Verwaltung in Westgrönland, einen Plan ausgearbeitet, im Osten Grönlands eine weitere Siedlung zu schaffen, da die Jagdreviere im Westen zur Ernährung der wachsenden Bevölkerung kaum noch ausreichten.[40] Das Vorhaben war nicht umgesetzt worden. Als Dänemark am Anfang der 1920er Jahre auf eine völkerrechtliche Bestätigung seiner Ansprüche auf Grönland drängte, stellte sich ihm Norwegen mit der Auffassung entgegen, dieser Anspruch sei nur für die kolonisierten Gebiete im Westen und Südosten gerechtfertigt, die gesamte unbesiedelte Ostküste nördlich von Ammassalik sei dagegen ein Terra Nullius. Um die dänischen Argumente zu stärken, schlug Mikkelsen 1922 als Kolumnist der Zeitung Nationaltidende vor, Olriks Plan endlich umzusetzen. Wegen der zu erwartenden Kosten einer so abgelegenen Siedlung zögerte die dänische Regierung lange, gab aber 1924 grünes Licht.

Am 10. Juli 1924 verließ das Dampfschiff Grønland mit Material zum Bau von Fertighäusern Kopenhagen. Nach einem Zwischenstopp in Island, wo einige Ponys an Bord genommen wurden, erreichte das Schiff den Scoresbysund schon 14 Tage später. Hier geriet es zwischen Küsten- und Treibeis, wobei sein Ruder zerstört wurde. Es gelang, die Grønland in einer geschützten Bucht westlich von Kap Tobin in Sicherheit zu bringen. In der Nähe dieser Bucht fanden sich zahlreiche Reste früherer Besiedlung und ein exzellenter Hafen, dem Mikkelsen den Namen Amdrup Havn gab. Ein durch Berge gegen Winde geschütztes Plateau öffnete sich nach Süden. Das Gebiet stellte sich als reich an RobbenWalen und Seevögeln heraus. Mikkelsen beschloss, die Hauptsiedlung am Amdrup Havn zu errichten. Weitere Häuser wurden am Kap Stewart, am Kap Hope und am Kap Tobin gebaut.[41] Die schwer beschädigte Grønland legte im September wieder ab und gelangte glücklich nach Dänemark, während sieben Männer zurückblieben, um die Arbeiten über den Winter fortzusetzen. Im September 1925 kamen die ersten 70 Grönländer aus Ammassalik und Westgrönland, geleitet von Johan Petersen. Der Ort prosperierte in den kommenden Jahren. Als Gast des französischen Polarforschers Jean-Baptiste Charcot an Bord der Pourquoi Pas? besuchte Mikkelsen die Siedlung erneut im Jahr 1926.[42]"

Ich möchte die Statue von Mikkelsen sehen und mache mich auf den Weg. 

Vor DIESER Treppe gebe ich auf. 
Dieses Foto ist geklaut🙈
Meins sieht so aus.... 

Boah, ich entdecke einen Vogel und zücken meine Kamera. Neben mir steht ein Expeditions - Teammitglied und flüstert mir ehrfurchtsvoll zu "A Sandpiper".... 🤭
Also mach ich ein Foto mehr, hab ich auch mal was Besonderes😂


Vom Eisbären werden wir wohl auf dieser Reise nicht mehr mehr sehen als hier:


Ich denke, dieses Leben in dieser verlassenen Gegend können wir uns einfach nicht vorstellen, es ist zu fremd. Und nein... Leben möchten wir hier nicht. 



Ein letzter Blick von Land auf die Fram

... Und die letzte Zodiakfahrt




Der letzte Blick auf Ostgrönland 





     Der letzte Eisberg




... Und ein letztes Gemälde😉



Zurück in Reykjavik--Golden Circle

Nach der schaukeligen Nacht sind wir pünktlich im Hafen von Reykjavík angekommen. Wir frühstücken ausgiebig, diesmal allein am großen Tisch,...