Auf dem Weg über die Grönlandsee zum Nationalpark teile ich ein paar Informationen, die ich bei der Vorbereitung der Reise gesammelt habe.
Die Grönländer nennen ihr Land Kalaallit Nunaat, was so viel bedeutet wie „Land der Menschen “. Diese liebevoll anmutende Bezeichnung erscheint natürlich etwas paradox, präsentiert sich die grönländische Natur doch als eine der „menschenfeindlichsten“ der Welt. Auf einer Fläche, die sechs mal größer als die Bundesrepublik ist, leben gerade mal 57.000 Menschen. Die wenigen Siedlungen konzentrieren sich hauptsächlich auf den schmalen Küstenstreifen des Südens und Südwestens. Noch sind etwa 4/5 der grönländischen Gesamtfläche vom Inlandeis bedeckt. Klima, Gletscher und tief eingeschnittenen Fjorde machen den Bau von Straßen sinnlos, die Fortbewegung erfolgt mit Boot, Hubschrauber, Flugzeug oder traditionell mit den Hundeschlitten. Dem Osten der Insel haben die Inuit den Namen „Tunu“ gegeben, was soviel wie Rücken oder gar Hintern bedeutet und von der Abgeschiedenheit dieser Region zeugt.

Wir sind jetzt auf dem Weg zum Nationalpark Mit einer Fläche von 972.000 Quadratkilometern ist der grönländische Nationalpark der größte der Welt - Man muss sich das Ausmaß bildlich vorstellen: er ist so groß wie Spanien und Frankreich zusammen, Deutschland würde fast dreimal hineinpassen und er ist 100 mal so groß wie Yellowstone. 80 % der Fläche ist ständig vom mächtigen grönländischem Eisschild bedeckt. Das Gebiet wurde 1974 zum Nationalpark und 1977 zum Unesco-Gebiet Mensch und Biosphäre ernannt. Die unberührte, ursprüngliche Wildnis und die arktische Tierwelt soll überwältigend sein. Für uns ist es jetzt erstmal das Gefühl überwältigend, an einen Ort zu reisen, an den echt nicht viele Menschen kommen.
Der Nationalpark ist von Menschen unbewohnt, abgesehen vom Personal einiger Wetter-, Forschungs- und Militärstationen, darunter das Hauptquartier der Marine-Eliteeinheit Sirius Dog Sled Patrol. Die Szenerie und die weiten Landschaften des Nationalparks sind unvergleichlich: riesige Tundragebiete, spektakuläre Berge und tiefe Fjorde voller Eisberge. Für den Besuch des Nationalparks ist eine Genehmigung der grönländischen Regierung erforderlich. Entlang der Küste des Nationalparks wurden Spuren früherer Siedlungsplätze gefunden. Die ältesten sind ungefähr 4.500 Jahre alt. Die Inuit wanderten in mehreren Wellen aus Kanada nach Grönland ein. Die meisten zogen an der Westküste entlang nach Süden. Aber es gab auch Gruppen, die langs der Ostküste nach Norden wanderten. Von Anfang 1900 bis in die 1960er Jahre lebten im Nationalpark vor allem Jäger, die aus Dänemark und Norwegen stammten. Diese Berufsjäger und Fallensteller lebten in kleinen Hütten, die in dem weitläufigen Gebiet verteilt waren, um den europäischen Markt mit Fellen des Polarfuchses und gelegentlich des Eisbären zu versorgen. Die Jäger wurden mit Booten und Vorräten, die für mehrere Jahre reichten, zu bestimmten Stellen im Nationalpark gebracht. Hier mussten sie sich um ihre Fallen kümmern, Fische fangen und Tiere wie Moschusochsen und Robben für ihr Fleisch jagen. Es war ein schwieriges, isoliertes Leben in der rauen arktischen Umgebung, aber in der Regel konnten die Fallensteller Nordostgrönland mit beträchtlichen Ersparnissen verlassen, wenn sie nach Europa zurückkehrten. Im Nationalpark gibt es noch mehr als 350 dieser Trapperhütten. Eine private Organisation, "Nanok", unterhält und restauriert diese Hütten jeden Sommer.
Die Sirius-Patrouille Dänemark und Norwegen trugen in den 30ern einen Konflikt um das Bestimmungsrecht in Nordostgrönland aus. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag sprach Dänemark die Rechte über das Gebiet zu. Im Gegenzug musste Dänemark zeigen, dass es eine Patrouille in der Gegend aufrechterhalten kann. 1941 wurde daraufhin die Sirius-Patrouille gegründet, eine dänische Militäreinheit unter Arktischem Kommando. Die Soldaten der Sirius-Patrouille kontrollieren jeden Winter den 16.000 Kilometer langen Küstenabschnitt mit Hundeschlitten und im Sommer mit Kuttern. Tiere: Eisbär, Moschusochse, Narwal, Walross, Wolf, Lemming und Vögel. Besonders der Narwal ist interessant:
Der Narwal ist eines der mythischsten Tiere der Arktis, und nur wenige haben das Privileg, einen zu sehen. Narwale werden manchmal auch als "Berggorillas der Arktis" bezeichnet, da ihre Zahl gering und ihre Verbreitung extrem begrenzt ist, ähnlich wie bei den großen Menschenaffen in Afrika. Der bis zu 3 Meter lange Stoßzahn, den die Männchen tragen, lässt den Narwal wie etwas aus einem Märchen aussehen.

In der Vergangenheit wurden Narwal-Stoßzähne in Europa als Hörner des Fantasiewesens Einhorn gehandelt. Narwale ziehen fast immer in Gruppen umher, sind aber äußerst scheu und reagieren stark auf Unterwassergeräusche - beim Geräusch eines Bootsmotors flüchten sie normalerweise. Narwale können theoretisch überall in den Meeresgebieten des Nationalparks angetroffen werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist im Sommer am größten, wenn sie zur Nahrungssuche in die inneren Teile der Fjorde ziehen. Die größte Konzentration von Narwalen findet man im Gebiet der Dove Bay. Ob wir wohl einen zu sehen bekommen? Wohl eher nicht🤭
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